Kundensprache auf Websites: Schreib so, wie Menschen entscheiden
Die besten Wörter für deine Website entstehen selten im internen Strategiepapier.
Sie fallen in echten Kundengesprächen.
Ein Interessent sagt nicht: «Ich brauche eine ganzheitliche Optimierung meiner Customer Journey.» Er sagt eher: «Die Leute schauen sich unsere Seite an, aber es fragt kaum jemand an.»
Genau dieser Unterschied entscheidet darüber, ob ein Website-Text sofort verstanden wird oder nur professionell klingt.
Worum es geht
Kundensprache bedeutet nicht, jedes Wort aus einem Gespräch ungeprüft zu übernehmen. Es bedeutet, die tatsächlichen Fragen, Zweifel und gewünschten Ergebnisse der Menschen zu verstehen und in klare Website-Texte zu übersetzen.
Das ist ein Teil guter Positionierung: Dein Angebot wird nicht aus deiner internen Sicht beschrieben, sondern aus der Entscheidungssituation der passenden Kund:innen.
Die eigene Fachsprache ist trotzdem wichtig. Sie zeigt Kompetenz, wenn Besucher:innen sie kennen und brauchen. Problematisch wird sie dort, wo Menschen erst Begriffe entschlüsseln müssen, bevor sie erkennen, ob du ihr Problem lösen kannst.
Warum Unternehmen anders sprechen als ihre Kund:innen
Im Unternehmen entstehen Begriffe aus Prozessen, Teams und Leistungsmodulen. Kund:innen erleben diese Struktur nicht. Sie erleben eine Ausgangslage:
- Anfragen passen nicht.
- Das Angebot ist schwer zu erklären.
- Die Website wirkt nicht so hochwertig wie die eigene Arbeit.
- Ein Wechsel fühlt sich riskant an.
- Niemand weiss genau, was nach der Anfrage passiert.
Wenn eine Website direkt mit internen Kategorien beginnt, muss der Besucher die Übersetzung selbst leisten. Aus «Strategische Markenarchitektur» muss er ableiten, ob seine uneinheitlichen Auftritte damit endlich zusammenpassen. Aus «Digitale Transformation» muss er herauslesen, ob sein Team Inhalte künftig leichter pflegen kann.
Starke Texte beginnen deshalb nicht bei der Bezeichnung der Leistung. Sie beginnen bei der Bedeutung für die Person, die gerade entscheiden soll.
Wo du gute Kundensprache findest
Du brauchst dafür keine grosse Marktforschung. Die wertvollsten Formulierungen liegen oft schon im Unternehmen:
- Notiere Fragen aus Erstgesprächen möglichst nah am Original.
- Prüfe E-Mails und Kontaktanfragen auf wiederkehrende Ausdrücke.
- Lies Bewertungen danach, wie Kund:innen das Ergebnis beschreiben.
- Sammle Einwände aus Angeboten und Follow-ups.
- Frage im Projektabschluss, was vor der Entscheidung noch unklar oder riskant wirkte.
Danach sortierst du nicht nach einzelnen Wörtern, sondern nach Entscheidungsthemen: Problem, gewünschtes Ergebnis, Zweifel, Proof, Ablauf und nächster Schritt.
Für eine Website für Dienstleister ist das besonders wertvoll. Die Leistung lässt sich vor dem Kauf oft nicht vollständig prüfen. Sprache muss deshalb nicht nur erklären, was du tust, sondern auch Erwartungen, Zusammenarbeit und Vertrauen vorbereiten.
Übersetzen, nicht nachsprechen
Kundensprache darf nicht künstlich umgangssprachlich werden. Und sie darf keine Versprechen erfinden, nur weil ein Satz gut klingt.
Eine brauchbare Übersetzung verbindet drei Ebenen:
- Situation: Was erlebt die Person gerade?
- Ergebnis: Was soll sich konkret verbessern?
- Beleg: Warum ist dieses Ergebnis mit deinem Angebot glaubwürdig?
Aus «Wir bieten individuelle Beratungskonzepte» kann zum Beispiel werden: «Du erhältst einen klaren Plan für deine konkrete Ausgangslage, mit festen nächsten Schritten statt einer Standardvorlage.»
Der zweite Satz ist nicht einfacher, weil er weniger anspruchsvoll ist. Er ist einfacher, weil er die Leistung in eine erkennbare Entscheidung übersetzt.
Direkt umsetzen
- Ersetze im ersten Entwurf jede interne Leistungsbezeichnung durch die Frage, die sie für Kund:innen beantwortet.
- Lies Überschriften ohne den Fliesstext: Ist trotzdem klar, worum es geht?
- Nutze Fachbegriffe nur, wenn sie Orientierung oder Vertrauen schaffen.
- Stelle Ergebnis und Beleg nebeneinander, statt grosse Versprechen allein stehen zu lassen.
- Prüfe Buttons auf Bedeutung: «Erstgespräch vereinbaren» ist klarer als «Mehr erfahren», wenn genau das folgt.
- Vergleiche Website-Formulierungen regelmässig mit neuen Erstgesprächen. Sprache verändert sich mit Angebot, Markt und Kundschaft.
Kurz gesagt
Gute Website-Texte klingen nicht wie dein internes Organigramm.
Sie machen in der Sprache deiner Kund:innen verständlich, welches Problem du löst, wie die Zusammenarbeit aussieht und warum der nächste Schritt sinnvoll ist.