Website erstellen lassen: Kosten, Ablauf und Agenturwahl
Du willst eine Website erstellen lassen und holst drei Angebote ein. Eines kostet deutlich weniger als die anderen. Eines ist fünf Seiten lang, eines zwanzig. Im dritten steht viel über Design, aber fast nichts über Texte, Sichtbarkeit oder den Launch.
Welche Zahl vergleichst du jetzt?
Die ehrliche Antwort: noch keine. Solange nicht klar ist, was genau gebaut wird, sind drei Endsummen keine drei Preise für dasselbe Projekt. Es sind drei verschiedene Projekte, die zufällig alle «Website» heissen.
Dieser Leitfaden hilft dir, vor der Unterschrift die richtigen Entscheidungen zu treffen. Nicht aus Sicht einer Einkaufsabteilung, sondern aus Sicht eines Unternehmens, das am Ende einen Auftritt braucht, der wirklich funktioniert.
1. Brauchst du wirklich eine neue Website?
Bevor du eine Agentur suchst, kläre die Tiefe des Vorhabens. «Unsere Website ist nicht mehr gut» kann vier sehr verschiedene Dinge bedeuten:
| Ausgangslage | Sinnvoller Weg | Typisches Ziel |
|---|---|---|
| Du hast noch keinen ernsthaften Auftritt | Eine fokussierte erste Website | Angebot, Vertrauen und Kontakt sauber abbilden |
| Die Basis stimmt, aber einzelne Stellen bremsen | Gezielte Optimierung | Texte, Struktur, Geschwindigkeit oder Anfrageweg verbessern |
| Unternehmen und Angebot haben sich entwickelt | Relaunch | Auftritt, Inhalte und Technik kontrolliert erneuern |
| Marke und Positionierung tragen nicht mehr | Rebranding plus Website | Identität und digitaler Auftritt gemeinsam neu aufbauen |
Eine kleinere Lösung ist kein schlechter Kompromiss, wenn sie die aktuelle Aufgabe vollständig löst. Umgekehrt wird ein neues Farbsystem keine Website retten, deren Angebot unverständlich bleibt.
Die erste gute Agenturfrage lautet deshalb nicht: «Was kostet eine Website?» Sondern: Welcher Eingriff löst unser eigentliches Problem?
2. Dein Briefing auf einer Seite
Du brauchst vor dem ersten Gespräch weder fertige Texte noch einen perfekten Seitenplan. Du solltest aber die Leitplanken kennen. Sonst kalkuliert jeder Anbieter eine andere Annahme.
Diese sieben Punkte reichen für ein brauchbares Erstbriefing:
Geschäftsziel
Was soll durch die Website im Unternehmen leichter oder besser werden? Zum Beispiel passendere Anfragen, mehr Buchungen, verständlichere Leistungen, bessere Bewerbungen oder ein Auftritt, der endlich zum heutigen Anspruch passt.
Wichtigste Besucher
Wer entscheidet über eine Anfrage, und was muss diese Person verstehen oder glauben, bevor sie handelt? «Alle» ist keine Zielgruppe. Zwei klar beschriebene Entscheidungssituationen sind hilfreicher als zehn abstrakte Personas.
Gewünschter nächster Schritt
Soll jemand anrufen, ein Formular ausfüllen, einen Termin buchen, eine Offerte anfragen, kaufen oder sich bewerben? Eine Website darf mehrere Wege haben. Sie braucht trotzdem eine klare Hauptbewegung.
Umfang
Welche Leistungen, Zielgruppen, Standorte, Sprachen oder Funktionen müssen zum Start abgebildet sein? Markiere zusätzlich, was später kommen darf. So wird aus einer Wunschliste ein realistischer erster Umfang.
Vorhandenes Material
Welche Texte, Fotos, Referenzen, Kundenstimmen, Markenunterlagen, Domain-Zugänge und Auswertungen existieren bereits? Entscheidend ist nicht nur, ob etwas da ist, sondern ob es in der nötigen Qualität und mit den nötigen Rechten genutzt werden kann.
Zusammenarbeit
Wer bündelt intern das Feedback? Wer gibt Texte, Design und Launch frei? Und wer muss nur informiert werden? Viele Projekte verlieren Wochen, weil diese Rollen erst während der Umsetzung geklärt werden.
Betrieb nach dem Launch
Wer ändert später Inhalte? Wie oft passiert das realistisch? Welche neuen Leistungen, Referenzen oder Standorte könnten dazukommen? Diese Antworten beeinflussen System und Struktur stärker als die Frage, welches CMS gerade beliebt ist.
Du kannst diese sieben Überschriften direkt kopieren und jeweils in zwei bis vier Sätzen beantworten. Mehr braucht ein guter Partner nicht, um die richtigen Rückfragen zu stellen.
3. Was die Kosten wirklich bestimmt
Eine Website hat keinen sinnvollen Katalogpreis. Entscheidend sind fünf Arbeitsblöcke:
| Kostentreiber | Die Frage dahinter |
|---|---|
| Umfang und Tiefe | Wie viele unterschiedliche Entscheidungen müssen die Seiten unterstützen? |
| Design-Anspruch | Wird eine Vorlage angepasst oder ein eigenständiger Markenauftritt gestaltet? |
| Inhalte | Sind Texte, Fotos und Belege nutzbar vorhanden oder entstehen sie im Projekt? |
| Funktionen | Braucht es Formulare, Buchung, Shop, Mehrsprachigkeit oder Schnittstellen? |
| Sichtbarkeitsziel | Reicht ein sauberes Fundament oder gehört ein grösserer SEO-Aufbau zum Start? |
Diese Faktoren erklären wir im Einblick Was kostet eine Website? ausführlich. Für die Agenturwahl ist vor allem ein Punkt wichtig: Ein günstigeres Angebot ist oft nicht günstiger. Es enthält weniger.
Prüfe deshalb neben dem Projektpreis auch die Kosten, die nach der Unterschrift oder nach dem Launch entstehen können:
- Hosting, Plattform-Abos und kostenpflichtige Plugins
- Lizenzen für Schriften, Bilder oder Funktionen
- Pflege, Sicherheitsupdates und Backups
- zusätzliche Texte, Übersetzungen oder Fotos
- Änderungen ausserhalb des vereinbarten Umfangs
- Unterstützung nach dem Launch
- Kosten eines späteren Systemwechsels
Die bessere Vergleichszahl ist nicht nur der Startpreis, sondern der Aufwand über die ersten drei Jahre. Dazu gehört auch deine interne Zeit. Eine billige Lösung, die jeden kleinen Inhaltsschritt kompliziert macht, kann im Alltag teuer werden, ohne dass dafür eine Agenturrechnung kommt.
Wie KSWD mit definiertem Umfang und laufenden Gebühren umgeht, steht transparent in den häufigen Fragen.
4. Was in jeder Projektphase entstehen muss
Ein Ablauf ist nicht gut, weil er viele Schritte hat. Er ist gut, wenn an jedem Meilenstein eine Entscheidung getroffen wurde, bevor die nächste Arbeit beginnt.
Wir ordnen Website-Projekte mit unserem Website-Strategy-Framework ACP42 in drei Phasen. Auch wenn deine Agentur andere Begriffe nutzt, sollten diese Ergebnisse vorhanden sein:
| Phase | Was geklärt oder geliefert sein muss | Warnsignal |
|---|---|---|
| Aim | Ziel, Zielgruppe, Angebot, Belege, Seitenlogik, Scope und Erfolgssignale | Das Projekt beginnt direkt mit Farben oder einem Theme |
| Create | Texte, Designsystem, responsive Seiten, Technik, Funktionen und konkrete Feedbackstände | Du siehst nur Einzelbilder, aber nie einen vollständigen Weg |
| Promote | Metadaten, Indexierbarkeit, Messung, Launch, Übergabe und Plan für die Weiterentwicklung | «SEO machen wir später» und nach dem Livegang ist niemand zuständig |
Unseren tatsächlichen Ablauf vom Erstgespräch bis zum Vier-Augen-Check findest du in So läuft dein Website-Projekt ab. Die typische Dauer hängt nicht nur von Seitenzahl und Technik ab, sondern auch von Inhalten und Feedback. Die Einordnung dazu steht in Wie lange dauert eine Website?.
5. Agentur, Freelancer oder Baukasten?
Nicht jedes Projekt braucht eine Agentur. Die passende Form hängt davon ab, wie viele Disziplinen und Risiken zusammenkommen.
| Modell | Passt oft, wenn … | Kläre unbedingt … |
|---|---|---|
| Selbstbau/Baukasten | du einen einfachen ersten Auftritt brauchst, wenig Budget hast und Zeit investieren kannst | Grenzen bei Design, Daten, Wechsel, Performance und Ausbau |
| Freelancer | Aufgabe und Richtung klar sind und eine Person den Grossteil kompetent abdeckt | Vertretung, Spezialthemen, Kapazität und Betreuung danach |
| Kleine spezialisierte Agentur | Strategie, Texte, Design und Technik zusammengehören und direkter Kontakt wichtig ist | wer konkret arbeitet und was intern oder extern passiert |
| Grössere Agentur | viele Märkte, Stakeholder, Systeme oder parallele Arbeitsstränge koordiniert werden müssen | Teamkontinuität, Overhead, Entscheidungswege und Mindestumfang |
Die Systemfrage gehört danach in dieselbe Logik. WordPress, Webflow, Framer, Baukasten und Custom Code sind Werkzeuge, keine Qualitätsstufen. Der richtige Vergleich steht im Einblick WordPress, Baukasten oder Custom Code und die kurze CMS-Entscheidung in den häufigen Fragen.
Entscheidend ist: Passt die Lösung zu dem, was du ändern, messen, erweitern und langfristig besitzen willst?
6. So werden Angebote wirklich vergleichbar
Lege die Angebote nebeneinander und ergänze für jeden Punkt vier mögliche Antworten: enthalten, Aufgabe des Kunden, optional, nicht enthalten.
| Bereich | Was konkret geklärt sein sollte |
|---|---|
| Strategie | Ziele, Zielgruppen, Positionierung, Seitenplan, Messgrössen |
| Inhalte | Konzeption, Copywriting, Korrektur, Übersetzung, Übernahme alter Inhalte |
| Fotos & Medien | Auswahl, Shooting, Lizenzen, Bearbeitung, Video |
| Design | individuelle Richtung, Anzahl Entwürfe, Designsystem, mobile Zustände |
| Entwicklung | System, responsive Umsetzung, Funktionen, Browser-Tests |
| SEO-Grundlage | URL-Struktur, Metadaten, Indexierung, Sitemap, interne Links |
| Qualität | Performance, Barrierefreiheit, Formulare, Datenschutz-Einbindung |
| Launch | Domain, Hosting, E-Mail-Abhängigkeiten, Weiterleitungen, Analytics |
| Übergabe | Zugänge, Dokumentation, Quelldateien, Nutzungsrechte, Schulung |
| Danach | Support, Reaktionszeit, Pflege, Updates, Erweiterungen |
| Änderungen | Feedback-Runden, Scope-Änderungen, Stundensätze, Freigaben |
Wenn ein Angebot einen Punkt nicht erwähnt, bedeutet das nicht automatisch, dass er fehlt. Es bedeutet aber, dass du fragen solltest.
Ein seriöses Angebot muss nicht jedes Risiko ausschliessen. Es muss Annahmen sichtbar machen: Welche Seiten wurden kalkuliert? Wer liefert Inhalte? Wie viele Sprachen? Welche Funktionen? Was passiert, wenn sich der Scope ändert?
7. Zwölf Fragen für das letzte Gespräch
- Welches Problem würdet ihr zuerst lösen, und welches ausdrücklich noch nicht?
- Wer arbeitet konkret an Strategie, Text, Design und Technik?
- Mit wem sprechen wir im Alltag direkt?
- Welche Ergebnisse müssen vor dem Design feststehen?
- Was braucht ihr von uns, wann und in welcher Qualität?
- Wie sehen wir Zwischenstände, und wie wird Feedback gebündelt?
- Was ist im Angebot nicht enthalten?
- Welche laufenden Kosten und technischen Abhängigkeiten entstehen?
- Wem gehören Domain, Inhalte, Design-Dateien und technischer Zugang?
- Wie werden mobile Nutzung, Ladezeit, Barrierefreiheit und Formulare geprüft?
- Was passiert beim Launch, und wer ist danach erreichbar?
- Woran erkennen wir nach drei Monaten, ob die Website ihre Aufgabe erfüllt?
Gute Antworten müssen nicht kompliziert sein. Sie müssen konkret sein.
8. Rote und grüne Signale
Vorsicht, wenn …
- eine Zahl fällt, bevor jemand Ziel und Umfang verstanden hat;
- jede Branche dieselbe Seitenstruktur und dasselbe System bekommt;
- das Portfolio stark ist, aber niemand den Entscheidungsweg erklären kann;
- Texte, Fotos, SEO oder mobile Zustände nur als spätere Details behandelt werden;
- unklar bleibt, wer tatsächlich an deinem Projekt arbeitet;
- die Domain oder wichtige Zugänge beim Anbieter statt bei dir liegen sollen;
- «mehr Anfragen» oder feste Rankings versprochen werden;
- der Launch das Ende jeder beschriebenen Verantwortung ist.
Ein gutes Zeichen ist, wenn …
- der Anbieter auch von einer kleineren Lösung abrät oder dazu rät;
- Fragen zu Angebot, Kunden und Einwänden vor Geschmacksfragen kommen;
- Umfang, Aufgaben und Ausschlüsse verständlich dokumentiert sind;
- echte Projekte nicht nur gezeigt, sondern begründet werden;
- du die Menschen kennenlernst, die die Arbeit ausführen;
- erklärt wird, welche Entscheidungen später teuer zu ändern wären;
- Eigentum, Zugänge und Betreuung nach dem Launch klar sind.
9. Eine einfache Entscheidungsmatrix
Bewerte jeden Anbieter von 1 bis 5 und gewichte die Kriterien. Die Gewichtung zwingt dich, nicht alles auf Preis oder Sympathie zu reduzieren.
| Kriterium | Gewicht |
|---|---|
| Verständnis für Geschäft, Zielgruppe und Aufgabe | 25 % |
| Qualität und Relevanz der Referenzen | 15 % |
| Klarheit von Scope, Ablauf und Verantwortungen | 20 % |
| Qualität von Inhalt, Design und technischer Lösung | 20 % |
| Betreuung, Eigentum und langfristige Nutzbarkeit | 10 % |
| Preis im Verhältnis zum enthaltenen Umfang | 10 % |
Multipliziere Wertung und Gewicht. Das Ergebnis trifft die Entscheidung nicht für dich, macht aber sichtbar, wenn ein glänzendes Portfolio einen unklaren Prozess überdeckt oder ein tiefer Preis nur deshalb gewinnt, weil der Umfang nie normalisiert wurde.
Wie wir selbst darauf schauen
Wir finden: Eine Website sollte erst verkauft werden, wenn klar ist, welche Aufgabe sie übernimmt. Deshalb starten wir mit Ziel, Zielgruppe, Argumenten und Struktur; entwickeln Texte, Design und Technik als zusammenhängendes System; und bleiben über den Launch hinaus erreichbar.
Wenn du nach diesem Leitfaden dein Vorhaben sauber einordnen kannst und es zu diesem Ansatz passt, findest du den konkreten Umfang unter Website erstellen lassen. Wenn eine kleinere Lösung ehrlicher ist, sagen wir das im ersten Gespräch genauso klar.
Deine Checkliste
Vor der Anfrage
- Geschäftsziel und wichtigste Besucher notiert
- gewünschter nächster Schritt definiert
- Muss-Umfang und spätere Wünsche getrennt
- vorhandene Inhalte, Fotos, Belege und Zugänge gesichtet
- internen Entscheider und Feedbackweg geklärt
- realistischen Launch-Zeitraum festgelegt
Vor der Unterschrift
- Angebote auf denselben Umfang normalisiert
- Aufgaben für Text, Foto, Design, Technik und SEO geklärt
- laufende Kosten und Abhängigkeiten verstanden
- Feedback, Änderungen und Freigaben beschrieben
- Eigentum an Domain, Inhalten und Zugängen gesichert
- Launch, Übergabe und Betreuung danach vereinbart
Vor dem Kickoff
- Fachwissen und stärkste Belege gesammelt
- relevante Beteiligte eingeplant
- Domain-, Hosting- und Analytics-Zugänge verfügbar
- Feedback-Termine reserviert
- Erfolgssignale für die ersten Monate festgelegt
Kurz gesagt
Wenn du eine Website erstellen lassen willst, entscheide nicht zuerst zwischen drei Preisen. Entscheide zuerst, welches Projekt du wirklich brauchst.
Ein gutes Briefing macht Angebote vergleichbar. Ein guter Scope macht Kosten verständlich. Ein guter Prozess macht Qualität planbar. Und ein guter Partner kann dir erklären, was er baut, warum er es baut und was bewusst noch nicht Teil des Projekts ist.
Dann kaufst du keine undefinierte «Website». Du beauftragst ein klares Werkzeug für dein Unternehmen.